Trari, Trara, die Post ist da

Ich hätte da günstig eine Ladestation für eine elektrische Zahnbürste abzugeben. Mit Eurostecker, versteht sich. Neulich kam nämlich die neue Zahnbürste. Mit US-Stecker am Ladegerät, versteht sich. Das Ladegerät alleine hätte $20 gekostet, die komplette Zahnbürste kostete $46 – muss man da, in Anbetracht der Aussicht mit der Frau im Bad traut synchron zu bürsten, noch nachdenken?

Ich finde nicht. Der Trend geht eindeutig zur elektrischen Zweitzahnbürste, und so wurde eine neue Zahnbürste bestellt – und geliefert. Aber WIE! (und das hat jetzt auch ein bißchen mit Wohnen im allgemeinen und so zu tun).
Zunächst mal ist es – jedenfalls für Normalsterbliche – eher ungewöhnlich, dass man sich ganz individuell ein Haus baut. Die ausgewiesenen Wohngebiete sind das Terrain von Unternehmen die wohl am ehesten den deutschen Bauträgern gleichkommen. Da wird einfach eine mehr oder weniger große Menge Häuser hingestellt (man muß natürlich sagen: alles in allem ist das schon recht uniform), und die werden dann verkauft. Das können Einfamilienhäuser sein, Reihenhäuser, oder Apartmenthäuser.
Unser Heim steht in einem recht großen Wohngebiet namens „4S Ranch“ (alle Straßen ringsum heißen irgendwie „Bernardo“). Das wiederum besteht aus verschiedenen… äh… nennen wir es mal „Komplexen“ oder „Bezirken“ die so wohlklingende Namen wie „Silhouette“ oder „Santa Luz“ oder „Sedona“ oder sowas haben. Für unseren Bezirk mit Reihenhäusern verwende ich nachfolgend lieber das Wort „Komplex“, das ist passender.
Unser Heim steht in einem Komplex von 140 Reihenhäusern. Ja, das ist schon ganz schön viel, aber die Bauweise ist recht kompakt, und so ist der Komplex auch recht übersichtlich. Für einen allerdings nicht: den Postboten. Denn innerhalb des Komplexes hat jedes einzelne Reihenhaus wohl seine eigene Nummer (von 1 bis 140 halt), aber auch jede Reihenhauszeile hat einen Hausnummer, und das Sträßchen das in den Bezirk rein und darin einmal ringsum führt hat insgesamt gleich 4 Straßennamen. Bißchen übertrieben, klar (ist es doch einfach nur das, was man in Deutschland gemeinhin eine Ringstrasse nennt).
Jedenfalls hat die Nummer des Reihenhauses selbst (z. B. Nummer 89) also eigentlich nichts mit der Nummer der Reihenhauszeile zu tun (z. B. Nummer 16926 – und nein, wie die Hausnummern anhand des Straßennamens vergeben werden ist mir überhaupt nicht klar – ich unterstelle eine gewisse Logik, allerdings hat sie sich mir noch nicht erschlossen). Wäre ich unter diesen Bedingungen hier Briefträger, ich würde mir schleunigst einen anderen Job suchen.
Um die Zustellung für den Briefträger also leichter zu machen gibt es für die 140 Reihenhäuser hier (mich erinnert es ein wenig an eine Ferienwohnanlage, ein Gemeinschafts-Swimmingpool ist nämlich ebenfalls Bestandteil des  Komplexes) zentrale Briefkastenanlagen. Und das ist wirklich merkwürdig anders als in Deutschland.

Die einzelnen Briefkästen haben keinen Einwurfschlitz, sondern sind verschlossen. Einen passenden Schlüssel dazu hat der Postbote, und einen weiteren Satz Schlüssel hat man selbst. Man bekommt die Post also wirklich nur durch den Postboten zugestellt (und nein, weniger Werbemüll bekommt man deswegen natürlich nicht). Die Häuser selbst haben gar keinen Briefkasten.
Aber das ist erst der Anfang. Auf dem Briefkasten steht nämlich kein Name. Sondern nur eine Nummer. Aber nicht etwa die Hausnummer, sondern irgend eine Nummer. Nur der Postbote weiss überhaupt, zu welcher Hausnummer welcher Briefkasten gehört! Spannend. Und man stellt sich die Frage: wozu? Wegen der Anonymität? Und das kann natürlich auch schonmal schiefgehen. Die netten Nachbarn legen einem dann früher oder später die Post vor die Haustüre.
Und bekommt man nun ein Sendung die zu groß für den eigenen Briefkasten ist, dann findet man in seinem Briefkasten statt der Post einen Schlüssel. Dieser gehört zu einem größeren Fach der Briefkastenanlage das man damit aufsperrt um darin seine Post zu finden – und eben auch ein Päckchen mit der elektrischen Zahnbürste. Lustig, oder?
Kleine Anekdote zum Abschluß: bei unserer Briefkastenanlage gibt es 4 „Batterien“ die jeweils von 1 bis 20 nummeriert sind, oderso. Irgendwann nach der Montage hat dann jemand festgestellt, dass es jeweils 4x die Nummern 1 bis 20 gibt. Bißchen unpraktisch, richtig. Also wurde nachträglich auf die einzelnen 20er-Batterien ein Buchstabe ergänzt: A, B, C, D – mit schwarzem Edding. 🙂

EDIT: jetzt auch mit Photo.

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