Haupteingänge, Pflanzen und Mülltonnen (ein Drama in mehreren Akten)

Bevor ich diese Geschichte zu erzählen beginne muss ich ein paar Dinge erklären.

Zum einen wäre da die HOA. Das steht für „Home Owner Association“, also Eigentümergemeinschaft (ich nenne sie hin und wieder auch „Happiness Obliterating Association“). Die gibt es nahezu überall wo Wohneigentum in erschlossenen Baugebieten ist (sprich: wenn man nicht ziemlich reich ist und einsam auf einem Hügel wohnt). Die HOA ist sowas wie der real existierende Sozialismus in den USA: man kommt nicht aus, man MUSS seinen Beitrag dazu bezahlen, und zum Ausgleich wird ganz planwirtschaftlich 1x im Jahr das Feuermeldesystem jedes Reihenhausblocks überprüft, am Freitag der Rasen innerhalb und rund um den Block gestutzt (ganz egal ob es nötig ist oder nicht – darum GEHT es nicht!), die Hecken geschnitten, Pflanzen abgeschnitten oder rausgerissen und neue gepflanzt, usw. usf. – unsere HOA-Gebühr setzt sich zusammen aus einem Teil für den Block auf dem unser Reihenhauskomplex steht (derzeit $185) und einem geringeren Teil für das gesamte Wohngebiet „4S Ranch“ (mit diesem Teil wird die Pflege der Parkanlagen usw. bezahlt [also das, was in Deutschland die Städte und Gemeinden aus Steuergeldern machen], derzeit $85).

Zum anderen wäre da der Haupteingang zum Haus. Und das ist in einer Region wo ohne Auto beinahe nix geht das Garagentor. Man verlässt das Haus über die integrierte Garage im Auto, und kehrt ebenso zurück. Indiz dafür sind Gelben Seiten (und einige andere Dinge) die an den Haustüren abgelegt werden (zur Erinnerung: die Briefkästen sind verschlossen und nur USPS darf was drin ablegen) – und die dort über Tage und Wochen liegen, weil die Leute schlicht und ergreifend ihre Haustüre nicht benutzen. Die Zeitungszusteller werfen ihre (in Plastikfolie eingeschweissten) Blättchen denn auch vor das Garagentor, und selten vor die Haustüre. Übrigens nicht mehr vom BMX-Rad wie zu C64-Zeiten, sondern aus dem Beifahrerfenster eines Vans. Aber das nur nebenbei.

Der dritte Teil der Geschichte sind die Mülltonnen, die 1x in der Woche geleert werden und dazu morgens vor das Garagentor gestellt wurden. Kommen die Leute abends nach Hause versperrt die Mülltonne also den Haupteingang – und wird wieder in die Garage gestellt.

Der HOA fiel es nun bei, die Bepflanzung in den Driveways (Zufahrten zu den Garagen, zwischen den einzelnen Reihenhausblöcken) zu ändern. Zwischen jeder Reihenhauseinheit, also zwischen jedem Garagentor, ist eine offene Pflanzstelle. Die neue Bepflanzung besteht aus Agapanthus und einer anderen Zierblume – und wenn der Müllmann mit seinem Müllwagen in die engen Zufahrten bugsiert ist, und/oder die Muelltonnen rumgeschlenzt hat, dann wurden die Pflänzchen dabei etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Dies veranlasste die HOA an die Bewohner unseres Blocks den Aufruf zu erlassen, die Mülltonnen doch bitte nicht mehr in den Zufahrten zur Garage zur Leerung bereitzustellen, sondern bordsteinseitig an die kleine Ringstrasse zu deponieren. Auf dass der Mülltruck nicht mehr in die Zufahrten fahren müsse, und das Überleben der zarten Pflanzen gesichert sei.

Bemerkenswert an dieser Stelle: das wurde nicht etwa per Rundschreiben von der HOA an die Haushalte kundgetan, nein: an JEDE Mülltonne wurde dazu ein entsprechendes Schreiben mit zwei Streifen Tesafilm angebracht. 140 Einheiten mit je einer normalen und einer Recylingtonne – da hatte jemand Zeit und Spass… 🙂

Die meisten Leute haben das auch artig gemacht. Das Problem: kommen die Leute abends nach Hause versperrt die Mülltonne natürlich nicht mehr das Garagentor – und die Tonnen wurden schlicht vergessen. Vollkommen menschlich. Bei einigen Leuten die unter der Woche auswärts arbeiten und nur am Wochenende heimkommen stand die Mülltonne dann schonmal die ganze Woche draussen. Na ja. Einige Leute haben sich daran allerdings gestört. Auch verständlich – ich würde nicht wollen, dass eine stinkende Mülltonne (als Zeichen für „ich bin geleert“ wird nämlich der Deckel offen gelassen) die ganze Woche vor meiner Türe am Bordstein steht.

Das liess wieder die HOA in Aktion treten. Wieder per Tesafilm-Kleberundschreiben an der Mülltonne. Man möge seine Mülltonne doch bitte bis 12 Uhr am auf den Leerungstag folgenden Tag von der Strasse entfernen. Andernfalls würde die Mülltonne eingezogen und gegen eine Gebühr von $75 wieder ausgehändigt.

Das war natürlich einigen Leuten zu dumm: wenn die Mülltonnen strassenseitig stören und man sie dort vergisst, dann stellt man sie halt wieder vor das Garagentor: der Müllmann muss sie leeren.

Das war auch nicht recht. Das dritte HOA-Tesafilmkleberundschreiben an den Mülltonnen machte deutlich: die Mülltonnen werden künftig nicht mehr geleert, wenn sie nicht strassenseitig an der Bordsteinkante bereitgestellt werden. Faszinierend ist aus meiner Sicht, dass man für diese Art der Bevormundung eine monatliche Gebühr bezahlt. Aber das ist nur meine bescheidene Sichtweise.

In der Zwischenzeit sehen die Pflanzen zwischen den einzelnen Garagentoren in den Zufahrten immer noch ziemlich derbunzt aus. An den Mülltonnen kann es also eigentlich nicht gelegen haben, und spätestens im Frühjahr pflanzen die Gärtner im Auftrag der HOA eh wieder neu. Aber das nur nebenbei. 🙂

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