Musik (2)

Kürzlich lief im Supermarkt (bei Trader Joe’s), doch tatsächlich Breaking The Law von Judas Priest als Beschallung zum Shoppen. Nicht unbedingt das, was man gemeinhin als „Muzak“ im Hintergrund erwarten würde, und natürlich auch ein Indiz dafür, wie sich die Wahrnehmung geändert hat: guter alter britischer Hardrock ist heute supermarkttauglich – früher zerbarsten noch die Brillengläser von dem Sound (siehe Video – überaus witzig).

Das war natürlich auch ein guter Anlaß, um mich an meine persönliche musikalische Zeitreise zu erinnern, und ich beginne diesen Eintrag mit der Zeit in der ich ca. 14 oder 15 Jahre alt war.

Mit der Pubertät kam auch ein klein wenig „Rebellion“ oder jedenfalls der Wunsch irgendwie „anders“ sein zu wollen. Genauso wie fast alle anderen Jugendlichen also auch. 🙂 Wir waren nach Hessen umgezogen und einer meiner besten Freunde zu der Zeit war etwas älter als ich. Durch ihn und seine Freunde kam ich in Kontakt mit Heavy Metal. Und der „Walkman“ war das A & O dieser Zeit.

Als Schüler hatte man nicht das Geld um sich neue Schallplatten zu kaufen, und so wurde das, was einer gekauft hatte vielfach auf Kompaktkassetten gebannt. Mit Dolby B und Dolby C und Dolby HX Pro und was-weiss-ich. Es war umständlich – aber Musik auf Kassette aufzunehmen (den Begriff „kopieren“ verwendete man damals allenfalls wenn man auf einem High-Speed Doppelkassettendeck ein Duplikat einer Kompaktkassette anfertige) bedeutete auch immer, diese dabei anzuhören.

Und man musste ja auch die Platte umdrehen, darauf achten, dass die Kassette nicht zu Ende ging, diese gegebenenfalls umdrehen, ausblenden, usw. – denn Kassetten waren entweder 30 oder 45 Minuten pro Seite lang, die Schallplatten immer irgendwo dazwischen – eh klar! Und die 120er Kassetten mit 60 Minuten pro Seite verwendete man nicht weil die entweder der Walkman nicht packte oder die Gefahr von Bandsalat zu groß war.

In der „new wave of british heavy metal“ stachen für mich zwei Bands hervor: Judas Priest und Iron Maiden (ach was). Blöderweise beide mit Sängern die eine Tonlage hatten, die man als pubertierender Jugendlicher kaum nachsingen konnte. 🙂 Aber das nur nebenbei. Und noch mehr nebenbei: Bruce Dickinson, Sänger von Iron Maiden – Wahnsinn, hat der Mann eine begnadete Stimme oder was? Für jemand der in einer Heavy Metal Band singt außergewöhnlich. Kurze Feststellung so nebenbei nebeibei: sowohl Maiden als auch Priest haben oder hatten das „grosse“ Line-Up mit 5 Mann: Schlagzeug, Bass, zwei Gitarristen, Sänger (Iron Maiden hat mittlerweile glaube ich ein 6-er Lineup mit drei Gitarristen).

Natürlich hatten Synthesizer schon lange ihren Platz in der eher klassischen Rockmusik gehabt, und im Progressive Rock natürlich erst recht – aber das waren zwei Genres, die mir zu dem Zeitpunkt noch herzlich egal bis unbekannt waren. Im „ehrlichen“ Heavy Metal dieser Zeit war der Einsatz von elektronischen Klängen neu, ungewohnt, teilweise bei den Fans gar verpönt.

Und im Jahr 1986 erschienen mit „Somewhere In Time“ von Iron Maiden und „Turbo“ von Judas Priest zwei Alben, die deutlichen Gebrauch von Synthesizern machten – beim Album von Iron Maiden muss man schon ein bisschen besser hinhören um die Synthiflächen und Effekte zu entdecken, und angeblich handelt es sich auch nicht um Synthesizer, sondern um Synthi-Gitarren (na ja, wenn ihr meint… „Alexander the Great„, Break bei ca. 3:44 – für mich hört sich das im Hintergrund nach ganz normalem Synthi an), bei „Turbo“ sind sie beim Opener „Turbo Lover“ (noch heute finde ich die Musik geil, die Lyrics allerdings sind schrecklich peinlich bis banal) und beim B-Seiten Opener „Out in the cold“ geradezu herrlich offensichtlich.

Insbesondere von „Turbo“ war ich quasi elektrisiert. Portamentos, tonnenweise Einsatz von Flanger und Phaser, mit Stakkato zerhackt, genüsslich breit im Stereoraum positioniert – das Intro von „Turbo Lover“ (also die ersten 20 Sekunden oderso) haben für mich noch heute Gänsehautpotential, und das Harmonybreak (3:22) und der Weg von dort bis zum nächsten Mal Refrain (4:10) dahin sind einfach nur toll. Das war einfach GANZ anders. Diese Klänge. Die weichen Akkordflächen unter den E-Gitarren. Unglaublich. Und trotzdem Heavy Metal. Mann, was hatten wir alle für einen sensationell coolen Musikgeschmack. 😉

Ich erwähne die Synthesizer und die elektronischen Klänge natürlich aus einem bestimmten Grund so ausführlich: das Zeug hat mich nicht mehr losgelassen. Aber dazu später mehr, ich bin ja noch bei der Metal-Phase.

Das Tolle am Metal war für uns damals: es gab jede Menge – natürlich saucoole 😉 – Bands aus Deutschland, z. B. Steeler oder Helloween (ja, die schrieben sich wirklich so). Dass die Texte eigentlich eher peinlich waren und vor Fehlern nur so strotzten störte dabei nicht.

(viel mehr stört mich gerade bei diesen beiden Bands noch heute, dass sie sich von guten Speedmetallern hin zum Mainstream entwickelten. Das war natürlich bei vielen Bands der Fall [Scorpions, anyone? Wind of Change? KOTZ], aber bei den beiden Tat es mir irgendwie persönlich weh – ich mochte die! „Strike Back“ von Steeler und „Walls of Jericho“ von Helloween waren richtig geile Alben – für die Zeit. [Anekdote: zum „Ride the sky!“ Refrain von Helloween gröhlten wir stattdessen „Waidmannsheil!“ – sehr lustig])

Da der Begriff „Speedmetal“ jetzt schon gefallen ist: wie das so geht wenn man sich in einem bestimmte Musikrichtig hineinhört wird man offener für Details, Nuancen, hört mehr, hört anders. Und Heavy Metal bediente mit seinen aufkommenden verschiedenen Stilrichtungen die meisten Wünsche nach „anders“.

Von Weichspülposern a la Bon Jovi (sorry, ist doch wahr…) oder Europe (deren obligatorischer Silvesterabendbeitrag „Final Countdown“ vermutlich nicht nur bei mir Brechreize auslöst) über den wegen des „mitten in die Fresse“ Sounds nicht umsonst so getauften Thrash Metal von Metallica, Megadeth und Anthrax (eine überaus lustige Truppe!) …und dann noch Speed, Doom, Death, Christian und-was-weiss-ich-was Metal. Irgendwann hat man von dem ganzen Spielkram genug und will mal was ernsthaftes hören. Und findet sich plötzlich relativ isoliert von seiner Umwelt als Fan von z. B. Voivod.

Ich will sagen: jede Musikrichtung (oder ganz allgemein Kunstrichtung) die es so gibt kann man weiterfolgen und Bands oder Künstler finden, die es noch ein bisschen weiter, verzwirbelter, geschickter, wirrer, schneller, düsterer oder wie auch immer treiben. Und das macht Spaß.

Auf der anderen Seite habe ich irgendwann mal die Lust auf Metal verloren. Die alten Sachen höre ich immer noch gerne, aber neuere Musik erschließt sich mir nur selten (bei Metallica war für mich z. B. nach dem „…And Justice For All“ Album Schluß. Was danach kam hat mich einfach nicht mehr angesprochen). Das ist glaube ich völlig normal. Deswegen gibt’s für alte Leute wie mich ja auch „Oldies“. 🙂 Mein Musikgeschmack hat sich weiterentwickelt, hin zu anderer Musik mit anderen Stilrichtungen. Davon dann mehr im nächsten Teil.

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