Die Sache mit den Kreuzen

Spätestens seit der Ära George W. Bush hat das Bild von Amerika, dass man als Europäer so hatte, ja einen ziemlichen Knacks bekommen. Na ja, jedenfalls mein persönliches Bild. Der Präsident der Eingebungen von Gott hatte, und so. Auf einmal war Amerika nicht mehr „land of the free and home of the brave“, sondern vor allem das Land der durchgeknallten religiösen Fanatiker.

Und ja, die Art und Weise wie Leute hier ihren Glauben ausdrücken und dazu stehen ist für Fremde, äh, befremdlich (ich bin ja ein Fremder in der Fremde, quasi).

Da gibt es z. B. Autoaufkleber „Keep Christ in Christmas“ (eine Anspielung darauf, dass man ob der kulturellen Vielfalt in den USA gemeinhin empfiehlt, um die Weihnachtszeit herum „Happy Holidays“ zu wünschen, und nicht „Merry Christmas“ – ja, über solche Belanglosigkeiten zerbrechen sich Menschen hier echt den Kopf! Wahnsinn, oder?), oder „NOTW“, was für „not of this world“, ein christliches Klamottenlabel (!) steht (ich würde es nicht erwähnen wenn ich sie nicht so oft sehen würde).

Mindestens genauso befremdlich ist allerdings, mit welch quasi-religiösem Eifer die nicht-Gläubigen (Atheisten) sich ausdrücken. Wie diese beiden Fraktionen oftmals aufeinanderprallen ist ziemlich krass, und unübersehbar.

Da verwundert es nicht, dass es zu für „uns Europäer“ absurd anmutenden Auseinandersetzungen vor Gericht kommt, wenn ein Kreuz als Ausdruck christlichen Glaubens sich auf öffentlichem Land findet – wo ja die Trennung von Staat und Kirche gilt. Das geht für manche Leute einfach gaaaaaaar nicht.

So ein Kreuz gibt es in San Diego, es steht auf dem Mount Soledad, einem Aussichtspunkt über dem schicken Küstenwohnort La Jolla (und ja, die Bezeichnung „Mount“ ist für einen Hügel mit Häusern und Büschen natürlich hoffnungslos übertrieben, hrhrhr). Die Kontroverse dazu ist auch in einem WP-Artikel beschrieben. Auch das „Mojave Cross“ hat eine ähnliche Geschichte.

In den europäischen Alpen nun findet sich ja auf fast jedem besteigbaren Gipfel ein Kreuz (was, so ganz nebenbei, auch viel schöner ist als die Funkantennen auf den Hügeln hier). Ich bin nun wirklich kein religiöser Mensch, wohl im christlichen Kulturkreis aufgewachsen, evangelisch getauft, aber aus der Kirche schon als recht junger Erwachsener ausgetreten. Das folgende mag vielleicht kontrovers sein, aber gleichzeitig bitte auch als Aufforderung „relaaaaax“ verstanden werden:

Die Kreuze auf den Gipfeln finde ich ok. Sie sind zwar bisweilen nicht sehr schön (genauer gesagt sind sie meist dann hässlich, wenn ein grosser Künstler sich interpretierenderweise daran versucht:-) aber ein schöner Ausdruck von „Du hast es geschafft“, und vielmehr noch ein Sinnbild für die Spiritualität an beeindruckenden Orten die uns näher zu uns selbst bringen – wie z. B. dem Gipfel eines Berges. Zufälligerweise und als Hinterlassenschaft der christlichen Kultur ist es halt ein christliches Sinnbild. Na und?

Manche Kreuze (z. B. das auf dem Sonntagshorn) wurden über die Jahre mit tibetischen Gebetsfahnen bereichert – und kein Christ der den Berg besteigt stört sich daran. Sitzen alle da, sind glücklich auf dem Gipfel zu sein, und mampfen ihre Brotzeit. Ich glaube die Leute verstehen einfach, dass das eine Bereicherung ihrer eigenen Kulter ist, und kein Eindringen.

Als einigermaßen vernunftbegabter Mensch möchte man also doch eigentlich meinen: lasst die Kreuze doch da stehen. Als Ausdruck von Spiritualität, als Gedenkstätte, was auch immer. Aber das funktioniert hier anscheinend nicht. Wie viel Steuergeld wegen dieser Kreuze verschissen wird… solch Prinzipienreiterei hätte ich eher in einer deutschen Schrebergartenkolonie erwartet… (in deutschen Klassenzimmern finde ich das ein bisschen anders: wenn Schule eine Pflicht ist, dann bitte neutral und frei von jeglichen Glaubenseinflüssen).

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