Frische Hirschmilch, bitte! (Progressive House?!)

Mal zwischendurch was zum Thema Musik. Ich bin ja durchaus ein Freund der elektronischen Tanzmusik (und natürlich habe ich auch einen Draft in meiner Post-Reihe über meine persönliche Musikentwicklung auf Lager, seit etwa zwei Jahren… ahem;-) – habe aber, nachdem sich mein liebstes 4/4 Genre (Goa- oder Psytrance) so ab dem Jahr 2000 in dumpfes Gewummer mit Offbeat-Galoppierbass verwandelt hat (was das ist, fragt ihr? ganz einfach: es macht immer umpf-tschagga-umpf-tschaggaumpf ist die Bassdrum [auf dem ersten Beat] tschagga ist die Bassline [zwischen den Beats] – alles klar?), nicht mehr sehr viel davon konsumiert (stattdessen mehr und mehr Ambient, Drone, Dark Ambient).

Dank Facebook bin ich mit einem alten (Goa/Online) Freund wieder in Kontakt gekommen – Sascha aka „dj baq“. Der wiederum hat mit Kumpels ein Webradio am laufen, dass sich der elektronischen Tanzmusik widmet: Hirschmilch Radio (fragt mich nicht wie es zu dem Namen gekommen ist. Ich weiss es nicht. Ich tippe auf Blödsinn).

In den Newsbeiträgen auf der Webseite bin ich dann auf einen Mix gestoßen, den ich mir ob des Genres erstmal nicht angehört hätte: „Progressive House“. Was für ein bescheuerter Name für ein Genre. [alles was sich als „progressive“ bezeichnet finde ich erstmal suspekt. Wer zieht sich denn selbst das Mäntelchen an auf dem steht „ich bin fortschrittlich“, bitte? Und dann auch noch House? House war doch diese leicht angesäuselte Arschwackelmusik, oder?]

Aber da es sich um eine handverlesene Track-Auswahl von Sascha handelt, hab ich mir den Mix mal gezogen, und angehört. Die H-Milch Session 001. Und ich war geplättet. Das hatte mit House nix zu tun. Eher mit Trance, aber Sascha sagt, der Begriff ist so ausgelutscht, das geht gaaaaar nicht. Ich finde das geht schon, und habe vorgeschlagen, das Genre „Trance Noir“ zu nennen. Ist nämlich immer irgendwie ein bißchen melancholisch, oder düster. Das gefällt mir ausgesprochen gut.

Irgendwann, nach schier eeeeeendlos langem Warten, gab’s dann mal ein Update: die H-Milch Session 002, erst als Livestream zum Mithören, dann später zum Saugen. Und dann die 003. Und so weiter. An der Stelle mal FETT Respekt und Danke an Sascha, der (beinahe) Woche für Woche die Mixe zubereitet. Da ich dies schreibe sind es jetzt 38 davon. Er ist ein Tier. (grade mal gecheckt: 7.5GB – eigentlich verrückt, wie wenig Platz so viel Musik einnimmt.)

Beim Download muss man stets schnell sein, im Hirschmilch-Stream auf Soundcloud steht immer nur ein begrenzter back catalog der Mixe zur Verfügung.

Aktuell ist mein Favorit die noch sehr frische Session 037. Fantastische Tracks, die erste Hälfte eher sphärisch und schwebend, die zweite Hälfte dann voll auf die Zwölf: bretternde Sequenzerbasslines, trockene Bassdrums, schneidende Snares, Effekte mit Hallfahnen bis in die Unendlichkeit die sich unter die Bassdrum ducken, fette Synthis, spacige Flächen… es ist unfaßbar dass es heute möglich ist so fette, und trotzdem transparente Mixe zu produzieren. Einfach nur Wahnsinn. [da wünscht man sich einen Club mit wenig Licht, viel Schwarzlicht, Nebel – und Strobos, bitte.]

Wer auf den guten alten EyeQ/HH Trance abgefahren ist, auf Superstition Records und Platipus, wer den melodiösen, verspielten Goatrance vermisst und von dem dumpfen Gebretter dass daraus geworden ist einfach nur genervt ist, der wird vielleicht so wie ich in Progressive House / Trance Noir 😉 eine neue Heimat finden. Das ist das gute Zeug – modern, nachtschwarz, pulsierend und auf Hochglanz poliert. Und ohne Kitsch. Viel Spaß!

PS: eine Facebook-Seite haben die Jungs natürlich auch.

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6 Comments

  1. Vorweg: Volle Zustimmung bzgl. Progressive House und insbesondere Hirschmilch.
    Aber: Du bemängelst, was aus dem früheren GoaTrance geworden ist. Dabei gibt es seit einigen Jahren viele interessante Veröffentlichungen mit klassischem GoaTrance. Bekanntestes Label in dem Bereich ist wohl Suntrip Records aus Belgien, gibt aber noch viele andere, u.a. Phototropic, Cronomi, Kagdila, …

    1. Ein paar der Namen sagen mir was, ich hab da wohl mal reingehört… vielleicht ist es der Sound an sich, den ich nicht mag. Irgendwie war der „alte“ Goasound anders… das klingt vermutlich mächtig esotherisch jetzty (dürfte also für Goafraggels als Erklärung völlig ok sein, LOL). Ich kenne da aber nicht so viel. Von Kagdila habe ich die beiden ersten Peace Therapy Alben, na ja… Psychill halt, daran habe ich mich doch ziemlich sattgehört. Von Suntrip gefällt mir „Corolle“ von Khetzal echt gut. Das Filteria-Zeug ist auch nett aber na ja, wenn man Ethnica/Pleiadians Sound braucht… (wobei Ethnica/Pleiadians eigentlich DAS Beispiel schlechthin dafür sind wie sich das Genre negativ entwickelt hat, IMHO). „Equator“ war soooo cool, und danach… weia. 🙂

      Ich glaube also, so 2005 hab ich das endgültig aufgegeben. Und wenn heute was neues wie der alte Goa klingt, dann ist es irgendwie Retro, und in meinen Augen daher irgendwie ziemlich überflüssig. So ähnlich wie das nächste AC/DC Album (das genauso klingt wie das letzte, nur mit anderen Songs). 😉

  2. Das Wort „Progressive“ in Progressive House bzw Progressive Trance ist eher musiktechnisch zu verstehen.

    um mal Wikipedia zu zitieren:
    „[…]Die übliche Struktur „Intro – Füller – Breakdown – Main Riff/Refrain – Füller – zweiter Breakdown – Main Riff/Refrain, Outro“ wird bei Progressive House ersetzt durch einen sich permanent weiterentwickelnden und verändernden Sound, der um den ursprünglichen Drumloop herum aufbaut. Da diese Veränderungen oft nur in kleinen Schritten erfolgen, kann dies vom unaufmerksamen Hörer als monoton empfunden werden.

    Diese Struktur führt den Ausdruck „progressive“ herbei, der beschreiben soll, dass das Lied sich immer weiterentwickelt, anstatt Stimmungshochs und -tiefs entstehen zu lassen. Beim Zuhörer kann ein unbefriedigendes Gefühl entstehen, denn üblicherweise erwartet man einen eindeutigen „peak“ in jedem Lied, was bei Progressive House gerade nicht der Fall ist. Mittlerweile werden allerdings auch Tracks in dieses Genre sortiert, die nicht diese progressive Struktur aufweisen, sondern der eines normalen House-Tracks folgen. Dadurch schwindet die Besonderheit dieses Genres.“

    Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Progressive_House

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