Personalgewusel

Wenn man deutsche Supermärkte gewohnt ist (insbesondere die Discounter wie Aldi, Lidl usw.) und hier in den USA in einen Supermarkt geht dann trifft einen glaube ich ziemlich der Schlag: Personal! Personal! Überall Personal!

Während die Aldi-Filialen die ich so kenne von 1-4 Leuten besetzt waren (je nach Tageszeit) rennen hier etwa bei Trader Joe‘s locker 10 Leute rum (und eine Fleisch- oder Käsetheke gibt es genauso wenig wie bei Aldi) – wahrscheinlich sogar mehr (und alle in Hawaiihemden!). Diese sind augenscheinlich ständig damit beschäftigt die Regale maximal befüllt zu halten und die Etiketten der Waren nach vorne zu drehen. Kein Scherz. Wenn ein Regal leer ist, dann ist der Artikel wirklich, wirklich ausverkauft und der Nachschub ist, wenn überhaupt schon da, im Lager noch nicht verräumt.

Die typische „frisch aus dem Karton der gleichzeitig auch das Regal ist“ Schmuddelpräsentation der deutschen Discounter findet sich hier dementsprechend auch überhaupt nicht, und die Lebensmittel sind im Vergleich zu Deutschland teurer – was einerseits damit zu tun hat, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland dank der Discounter absolut am Boden sind (WalMart, einer der Preisbrecher in den USA, hat das Deutschlandgeschäft ja unter anderem aus dem Grund wieder aufgegeben), und andererseits das ganze Personal natürlich Geld kostet. Und die Läden sind hier bis auf wenige Ausnahmen 7 Tage pro Woche geöffnet, Trader Joe’s z. B. von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends.

Auf der anderen Seite wirkt sich die Verfügbarkeit von mehr Personal sehr positiv auf den Kundenservice aus: in einem deutschen Aldi brummelt die oder der Angestellte auf Nachfrage nach einem Artikel der nicht im Regal ist wahrscheinlich „des is grad erst wieder geliefert worden da brauch ich noch a Stund‘ bis ich da durch bin!“ während der Mann im Hawaiihemd bei Trader Joe’s fragt ob man 5 Minuten warten könne während er die Dose ungesüßten Kakao für $3 aus der Lieferung die gerade reingekommen ist sucht (wirklich so geschehen). Sind ja genug Leute da die sich derweil um die anderen Sachen kümmern. 🙂

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12 Comments

  1. Ich glaube, wir Deutschen wollen es auch gar nicht anders. Helfendes Personal? Ach, ne! Die sind mir zu „scheißfreundlich“ da. Gibt’s solche Wortkonstruktionen übrigens auch in anderen Sprachen? Ich kann es mir nicht vorstellen… 😉

    1. Hahaha! Scheissfreundlich, sehr schön! 😀 Aber es stimmt schon, die Deutschen wollen das gar nicht. Das wird ja auch im Artikel zu Walmart in Deutschland erwähnt: die Höflichkeitsfloskeln und der ganze typische Scheiss der hier Standard ist kam in Deutschland gar nicht gut an.

      Das fällt für mich persönlich unter „sehr großer kultureller Unterschied“, ich kann da auch heute noch nicht so richtig mitspielen, aber es ist halt ganz normal, dass die Kassierer im Supermarkt auf diese Weise ein klein wenig total banalen Smalltalk starten. Als Kunde fühlt sich das nett an, man muss aber halt auch in der Lage sein, auf dem Level Floskeln auszutauschen. Und ja, in Deutschland fände ich das voll Panne. 🙂

      1. Wenn meine Frau mich bittet: „Kannst du nicht noch mal eben nach der Arbeit…“ und man im Supermarkt als Mann nicht sofort zurecht kommt mit der (wieder mal geänderten) Ordnung ist natürlich niemand da, den man fragen kann. Sonst treten Sie einem schon mal auf die Füße 😉 . Aber ist das was Walmart gemacht hat so Standard in den USA?

      2. Wer lesen kann… Vergiss die Frage. Hab was von Walmart gelesen und irgendwie das Wort Standard übersehen. Peinlich.

  2. Hihi, fand ich zu Beginn damals auch ulkig, als ich an der Kasse ständig gefragt wurde, „so, how are you doing?“ Aber ein bisschen was davon dürfte von mir aus gerne nach DE überschwappen. Hier kommen die Verkäuferinnen manchmal schon ganz aus dem Konzept, wenn ich ihnen einen schönen Feierabend wünsche oder so. 😀

  3. Da bin ich ja mal gespannt… 🙂 Inzwischen wird aber auch zumindest das deutsche Personal an den Kassen- und Theken in Seminare gescheucht, wo sie neben „Bitte“ und „Guten Tag!“ auch mal eine Nachfrage à la „Waren Sie heute mit Ihrem Einkauf zufrieden?“ lernen. Aufgesetzt? Ja. Automatisiert? Ja. Wird aber besser und ist nach Jahren, wo man sich im Discounter (und auch dort, wo es mehr kostet und die Löhne höher sind) allzu oft anmuffeln lassen musste, dann doch irgendwie angebracht.

    1. In den USA ist die Standardfrage an der Kasse, ob man denn alles gefunden hat was man wollte. Wenn man da „nein“ sagt dann kann man da sagen was man nicht gefunden hat und es flitzt einer los und holt das.

      Was ich natürlich finde ist wenn der Kassierer einen Artikel meines Einkaufs rausgreift und was dazu sagt… z. B. den Cambozola den es bei Trader Joe’s gibt – „der ist sooo lecker und cremig!“ Das kann man den Leuten dann auch abnehmen.

  4. In Deutschland gibt es ja auch keine richtige Anrede für solche Fälle in denen man sich gerne vom Personal helfen lassen würde. Ebenso im Restaurant. Wie spricht man Mitarbeiter in einem Geschäft an? Mit „Entschuldigung“ oder „Entschuldigen Sie bitte“. Im Restaurant? Mit „Hallo“ oder etwas ähnlich krudem, denn „Fäulein“ oder „Herr Ober“, etc. darf man nicht mehr sagen. Das ist echt bescheuert.

    Warum muss ich mich entschuldigen wenn ich doch nur eine ganz normale Service-Dienstleistung in Anspruch nehmen will?

  5. Ich wurde bei Amtrack von zwei Menschen kontrolliert. Einer zwackte und der andere steckte Reservierungen oben an diese Leiste. o.O

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