Heiss, Feuer

WEs wird heissir nähern uns unweigerlich dem Sommer, und je weiter man hier in Südkalifornien ins Inland kommt, desto mehr ist das so ein bißchen wie Winter in Deutschland: man bleibt am besten drinnen und nutzt technische Hilfsmittel um die Raumtemperatur in erträgliche Regionen zu bringen. 🙂 Der Unterschied ist halt, dass man in Deutschland heizt, und hier kühlt. Und unser Schlafzimmer ist blöderweise im zweiten Stock (das entspricht übrigens dem „3rd floor“, das Erdgeschoß ist der „1st floor“) und die Nachmittagssonne brutzelt diese Hausseite sehr schön, pünktlich zur Schlafenszeit ist das dann der wärmste Raum im Haus. Im Süden Arizonas würde ich nicht leben wollen…

An der Küste hat das Meer eine Pufferfunktion und es bleibt erträglicher, zum Ausgleich leidet man dort insbesondere im April, Mai und Juni an einem Phänomen namens „Marine Layer“ (schwierig zu übersetzen, vielleicht Meerdunst, oder Küstenhochnebel?) – die warme Luft kühlt sich über den Meer ab, Feuchtigkeit fällt aus und bildet eine mehr oder weniger fette Wolken-/Nebelschicht die den Tag vergraut – und zwar sprichwörtlich. So sieht das in Bildern aus: June Gloom.

Wir wohnen so etwa 30 Minuten von der Küste entfernt und während sich der Marine Layer bei uns oft schon in den Morgenstunden auflöst bleibt es in Küstennähe den ganzen Tag bedeckt. Im Mai heisst es denn auch „May Gray“ (Maigrau) und im Juni „June Gloom“ (Junischwermut). Ist also so wie November in Burghausen, wenn sich der verfickte Nebel dann vielleicht doch mal auflöst kurz bevor die Sonne am späten Nachmittag wieder untergeht. 😛

Gleichzeitig sorgt der Marine Layer im Mai und Juni für kühle Luft vom Meer, und das ist für mich immer noch erstaunlich unangenehm: die Sonne scheint mit ordentlicher Kraft und man schwitzt, während gleichzeitig vom Meer ein ziiiiemlich fies kühler Wind ins Landesinnere weht. Die coolen Skateboarder mit Shorts und Beanie sind nicht nur Fashionvictims…

Richtung Osten ist die Sonora-Wüste. Zu San Diego gehört der Teil, der auch als Anza-Borrego Wüste bekannt ist (nach Juan Bautista de Anza, einem spanischen Entdecker, und Borrego, spanisch für Lamm, hier sind aber die Wüstenschafe gemeint – vielleicht etwas undankbar dem Herrn de Anza gegenüber, aber wir kennen sein Aussehen nicht). Und da sagt der Wetterbericht für die kommenden Tage Temperaturen von flockigen 48 Grad Celsius voraus. Ja, das muss man mögen (dort leben mehr Leute als man denkt). Im Sommer brauen sich dort oft schöne Gewitter zusammen, die es aber nie über die Berge im Osten von San Diego bis an die Küste schaffen.

Zusammen mit dem zweiten sehr trockenen Winter in Folge (nachdem der Winter 2010/2011 sehr viel Niederschlag brachte, hatte es 2011/2012 und 2012/2013 viel zu wenig Regen, auch weiter im Norden von Kalifornien) bedeutet das natürlich eine erhöhte Gefahr für Buschfeuer.

Man nimmt heute an, dass die indigene Bevölkerung Südkaliforniens, die Cahuilla und Kumeyaay, Feuer bewusst zur Kultivierung der Landschaft einsetzten. Das haben die ersten europäischen Eindringlinge wahrscheinlich gar nicht kapiert. Aber da Brände in der Neuzeit insbesondere in der Nähe von Wohngebieten natürlich verhindert werden, wächst im Winter und Frühling so der Treibstoff für diese Feuer (eine Buschvegetation die „Chaparral“ genannt wird) immer weiter, wird im Sommer dürr, und brennt dann wie Zunder. Gerade brennt es weiter südlich, irgendwo in Mexiko, und den Rauch sieht man bis hier.

Das letzte große Feuer hier war im Jahr 2007 (davor eines im Jahr 2003, das nächste ist also eigentlich fällig…) und kam auch unserem Wohngebiet bedrohlich nahe. Im Nachbarbezirk sind einige Häuser vollständig niedergebrannt – was bei der südkalifornischen Pappkartonbauweise kein Wunder ist: Keller gibt es keinen, auf einer Betonfundamentplatte steht ein Holzständerwerk mit bißchen Isolierung drin und Gipskarton- oder OSB-Beplankung – brennt gut! Deswegen geht der Feueralarm auch in allen Einheiten eines Reihenhauses los wenn der Rauchmelder anschlägt, es ist eine einzige Konstruktion… (besonders schön bei Fehlalarm, wie kürzlich geschehen: um 6:20 Uhr wurden wir vom lieblichen Klang einer Trillerpfeife auf Steroiden geweckt weil in einer anderen Einheit unseres Gebäudes der Rauchmelder aus dem Tritt kam – beeindruckend jedoch: innerhalb von weniger als 5 Minuten war die Feuerwehr da… selbst kann man den Alarm nicht deaktivieren).

Das Gute ist: diese Hitzewellen dauern normalerweise nie sehr lange. Nach 1-2 Wochen sinken die Temperaturen westlich der Berge wieder. Trocken bleibt es natürlich trotzdem. Von Mai, spätestens Juni, bis in den Oktober regnet es überhaupt nicht. In den Bergen im Osten hat es vielleicht mal ein paar Gewitterschauer wenn die Wolken es aus der Wüste herauf über den Kamm schaffen, und dort kann auch im Sommer die Temperatur in der Nacht mal unter 10 Grad Celsius fallen. In der Wüste wird man bei Temperaturen bis zu 50 Grad gegrillt.

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3 Comments

  1. In dieser Woche hat man schon fast das Gefühl, dass man die technischen Hilfsmittel trotz kalendarischen Sommers auf Heizen stellen sollte. Alles wolkenverhangen und durchschnittlich 15 Grad in dieser Woche. Man hat Glück, wenn man die Sonne überhaupt mal sieht. „Sommer in Deutschland“ hat sich über die letzten Jahre zu einem festen, ironisch gemeinten Ausdruck entwickelt. Zumindest ist das mein Gefühl, hier im Norden von NRW.

    Das Wetter bei Euch, wäre wohl genau das richtige für meine Frau 🙂 Aber sag mal: Ich habe mal gelesen, dass man wohl bei Euch in Kalifornien viel von der Klimatisierung und dem damit einhergehenden Stromverbrauch einsparen könnte, wenn man anders/besser bauen und dämmen würde. Was meinst Du denn dazu?

    1. Darüber habe ich auch schon nachgedacht (bin ja gelernter Baustoffkaufmann;-) aber ich weiss es nicht. Es gibt da ja zwei konkurrierende Ziele: Temperaturschwankungen mit schweren Baustoffe und Massivbauweise (Beton, Ziegel, etc.) verzögern – oder schnelles Aufwärmen und eben auch Abkühlen mit leichter Bauweise (wie beschrieben). Vermutlich wäre eine Kombination von beidem ideal (nicht nur in warmen Gegenden). Keller und Innenwände massiv und aus schweren Baustoffen, Aussenwände in Ständerbauweise mit ganz viel Isolierung drin.

      Bevor es Klimaanlagen gab wurde hier auf jeden Fall historisch ganz anders gebaut: Häuser aus Lehmziegeln (schwer), keine Fenster/Öffnungen zur Südseite, sowas in der Art.

      Was in Südkalifornien eindeutig viel zu wenig gemacht wird ist die Nutzung von Sonnenenergie. Im Vergleich zu Deutschland ist das wirklich sehr merkwürdig. Bei so viel Sonnenschein könnte man enorme Mengen Warmwasser (energetisch immer noch die sinnvollste Nutzung von Sonnenenergie) und auch Strom für die Klimaanlagen erzeugen. Aber während in Deutschland jeder Bauer mit einer großen Scheune mittlerweile Solarzellen auf dem Dach hat ist das hier eher die Ausnahme. Ich vermute mal, dass die Statik da eine Rolle spielt, so ein Schwung Solarpaneele ist ja nicht ganz leicht, und ich könnte mir vorstellen, dass die Leichtbauweise da weniger Extralast zulässt als die Massivbauweise in Deutschland (wo ja auch immer Schneelasten einkalkuliert werden müssen).

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