Der kalte Schlag

Der 4. Juli, Indepence Day, der Unabhängigkeitstag, der Geburtstag der USA – das ist wohl der höchste Nationalfeiertag den es hier so gibt. Es gibt viele öffentliche Feste (eines davon auch in unserem Wohnviertel, 4S Ranch) mit Grillen, Musik und Spielen, und natürlich fettes Feuerwerk – letzteres natürlich streng kontrolliert, wegen der Gefahr von Buschfeuern.

Das mit den Feuerwerk in San Diego hat dieses Jahr auch geklappt – nachdem letztes Jahr die gesamte Show mit Feuerwerk für 18 Minuten innerhalb von 15 Sekunden in die Luft ging (das war sogar SPON einen Beitrag wert). Verletzt wurde 2012 niemand, aber ich glaube mehr Geld in weniger Zeit können nur die Finanzmärkte dieser Welt sprichtwörtlich in den Wind schießen.

[UPDATE: das Spektakel von 2012 gibt’s als Video bei YouTube – Achtung, erst Lautstärke runterdrehen, dann klicken!;-)]

Aber das war letztes Jahr. Auch dieses Jahr waren wir wieder zu einer privaten Feier eingeladen die – wie zu erwarten – nicht direkt gut für die Hüften war (ahem ahem). Und es ist immer interessant zu sehen welche „Klassiker“ der amerikanischen Küche an diesem Feiertag serviert werden. Letztes Jahr habe ich so zum ersten Mal Marshmallow-„Salat“ gegessen (wird auch als „pink salad“ bezeichnet, also Rosa Salat). Das war schon ziemlich merkwürdig.

Dieses Jahr habe ich glaube ich ein neues Allzeit-Tief unter den industriell gefertigen, äh, Dingen die für den menschlichen Verzehr geeignet sind (das Wort Lebensmittel kann man da einfach nicht verwenden, sorry) kennengelernt: Cool Whip.

Wer so wie ich der Meinung ist, dass Sprühsahne ja schon etwas ziemlich trauriges ist (denn hey, einen Becher Sahne kann man mit einem elektrischen Rührer innerhalb von 1-2 Minuten zu leckerer Schlagsahne machen, ohne Chemie, Treibmittel, und Zusatzstoffe), der bekommt bei Cool Whip im wahrsten Sinne des Wortes wohl das kalte Grausen: ein Schlagsahneersatz im Becher. Direkt zum Rauslöffeln.

Das Zeug gibt es bereits seit Ende der 60er Jahre in den USA, und es ist aus einem mir nicht erklärlichen Grunde irgendwie ein Klassiker, oderso. Ein künstlicher Sahneersatz den man auch einfrieren kann. Und wenn man ihn auftaut hat das Zeug immer noch die gewünschte Konsistenz. Stellt Euch Styropor vor, aber flüssig und cremig, und irgendwie so getuned, dass es den menschlichen Verdauungstrakt ohne unmittelbare Nebenwirkungen passieren kann (nein, natürlich ist das eigentlich kein Plastik, aber zur Veranschaulichung passt das ganz gut – das „Wired“ Magazine beschreibt das Zeug denn auch wenig schmeichelhaft als „A delicious blend of sugar, wax, and condom lube.“ [eine leckere Mischung aus Zucker, Wachs und Gleitmittel]).

Was mich daran in Erstaunen versetzt ist nicht die Tatsache, dass es so etwas überhaupt gibt – sondern die Naivität mit der einkaufende Menschen so etwas kaufen und verzehren (ich bin der Meinung, dass Lebensmittelkonzerne alles, aber auch einfach alles, machen was irgendwie möglich ist um Produkte zu „generieren“ die primär den Zweck erfüllen, möglichst bequem und billig für die Konzerne selbst und deren Vertriebskanäle zu sein – von daher ist ein Produkt wie Cool Whip also keineswegs überraschend).

Warum braucht man einen Ersatz für eine überaus simpel und schnell herzustellende Speise? Und, anders als bei Sprühsahne, spricht ja nicht mal die exakte Portionierung dafür – ist der Becher Cool Whip erst mal offen, dann muss er irgendwann verzehrt werden (nehme ich jedenfalls an – es besteht natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Zeug mühelos ein paar Äonen oder länger hält, ich weiss es nicht…).

Ist es wirklich so aufwenig ein bißchen Sahne frisch zu schlagen und – für den der es süß mag – ein wenig Puderzucker drunterzumischen?

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6 Comments

  1. Was es nicht alles gibt. Jetzt fehlt mir zu meinem Glück nur noch Instant-Wasser! Stelle ich mir gerade bei Touren mit dem Rucksack toll vor! Einfach etwas Wasser dazugeben und schon hat man… Öhm. Moment…

      1. Meine Hoffnung war, dass der Witz schon so alt ist, dass sich keiner mehr daran erinnert. 😉

  2. Ja, es ist zu aufwendig in Zeiten von Instant-Essen und ToGo-Getränken. Man nimmt sich oft nicht mehr die Zeit um vernünftig zu essen. Es wird einfach eingeworfen und nebenbei wird ferngesehen oder anderes. Und für die Zubereitung, selbst von einfachen Gerichten bleibt schon gar keine Zeit.

    Was anderes, was aber dazu passt: Ist die ESL-Milch eigentlich bei Euch auch so weit verbreitet wie hier? Man bekommt kaum mehr die traditionelle. Als Verbraucher hat man nicht viel davon, denn einmal geöffnet muss sie natürlich schnellstmöglich verbraucht werden aber die Händler können sie länger lagern.

    1. Wir verwenden nur sehr wenig Milch, wenn ich welche kaufe dann Bio-Qualität, wie die haltbar gemacht wird weiß ich gar nicht, muss da nächstes mal beim Einkaufen drauf achten (grade ist keine im Haus, kann nicht nachschauen).

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