Im Land der blubbernden Bollerwägen

Wenn hier etwas auffällig ist, dann ist es die Tatsache, dass die amerikanische Autoindustrie auf den Straßen eigentlich nur in drei Kategorien einigermaßen namhaft und auffallend vertreten ist: da sind zum einen die fetten „full size SUVs“ gegen die der BMW X5 und Audi Q7 schon beinahe grazil erscheinen; dann die sogenannten „Pony Cars“, namentlich Ford Mustang, Chevrolet Camaro, Dodge Challenger (und vielleicht auch noch die Corvette, ebenfalls von Chevrolet, wobei ich die eher als „richtigen“ Sportwagen bezeichnen würde); und natürlich die absolut unausweichlichen Pick-Up Trucks, deren Attraktivität sich mir auch nicht im entferntesten erschließt.

Kompakte SUVs (Nissan Rogue [in Deutschland Qashqai getauft, weil das einfacher auszusprechen ist?!? muahaha], Honda CRV, Toyota RAV4) sind, genauso wie Limousinen und Kompaktwägen der Golf-Klasse, überwiegend in deutscher/europäischer und natürlich im Löwenanteil fernöstlicher Hand, genauso wie Limousinen der Luxusklasse (einzige Ausnahme ist der Tesla S, der in der Klasse von Audi 5, Mercedes E und BMW 5 ganz ordentlich wildert).

So verwundert es nicht, dass die amerikanische Autoindustrie in den Segmenten in denen sie erfolgreich ist ausbauen möchte: bei den benzinverbrunzenden Pick-Ups. Ich weiss nicht ob es im Jahre 2013 im Angesicht von Klimawandel und steigenden Rohstoffpreisen einen größeren Anachronismus als einen Pick-Up mit 6.2L Hubraum gibt. Würde man den Flottenausstoß von CO2 anwenden, dann sähe Ford hier ziemlich schlecht aus (die F-150 Modellreihe ist fast überall, außer an den beiden Küsten, das populärste Fahrzeug).

Ich finde diese Kisten einfach entsetzlich. Nicht nur für die Verschwendung und Ignoranz für die sie stehen, sondern auch für den LÄRM den sie machen. Es scheint bei diesen Autos irgendwie zum guten Ton (äh…) zu gehören, dass sie ordentlich Krach machen. Dass sich Motoren mit 8 Zylindern und viel Hubraum nicht so anhören müssen dürfte jedem klar sein… aber wenn es irgendwo röhrt wie ein brünftiger Elch auf Steroiden der durch eine Flüstertüte blökt, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen amerikanischen SUV, Pick-Up, oder ein Pony Car.

Dieser Sound mag für Liebhaber in kleinen Dosen gefällig sein – wenn man dieses eher primitive Geböller andauernd hört, dann wird man dessen schnell überdrüssig. Zum Beispiel wenn der Nachbar mit dem Camaro um 5.30 Uhr zur Frühschicht aufbricht und es natürlich auch überhaupt nicht für nötig hält auch nur in den zweiten Gang zu schalten (zum Glück ist dieses A-Loch mittlerweile ausgezogen, ich begann Fantasien zu entwickeln die Fäkalien, Sprayfarbe und Backsteine beinhalteten).

Dankenswerterweise ist Kalifornien ein wenig anders gestrickt als der Rest des großen weiten Landes: hier sind zum Glück normale Autos häufiger vertreten. Was auch an den kalifornischen Benzinpreisen liegen dürfte: diese sind im US-Vergleich recht hoch.

Womit wir bei meinem letzten Punkt angelangt sind: in Anbetracht der Tatsache, dass Amerikaner im Schnitt 3% ihres Haushaltseinkommens für Sprit ausgeben (Deutsche nur 1%, trotz des mehr als doppelt so teuren Benzins, ich habe das hier schon mal erwähnt) muss man sich doch ein wenig über die Prioritäten wundern die da beim Autokauf gesetzt werden: der Ford F-150 „SVT Raptor“ hat einen Verbrauch von 21l/100km im Stadtverkehr und 14.7l/100km auf der Autobahn. Mir wird schlecht.

(zum Vergleich: mit unserem Honda CRV hatten wir auf unserem Roadtrip [wo wir knapp 4100km gefahren sind] einen Durchschnittsverbrauch von 8.3l/100km oder 28.3mpg – das Ding hat 185PS und einen 2.4L Motor)

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