Der Umzug (Teil 6)

In einem spontanten Anfall von Redseligkeit der stärker war als die allgemeine deutsche Facebook-Lethargie wurde ich von einem Freund zu meinem letzten Post (Teil 5) via Facebook gefragt, warum wir denn das alte Haus verkaufen bevor wir ein neues haben, entbehrt es doch einer gewissen Logik und widersprecht es auch dem normalem Sicherheitsbedürftnis, sich gewissermaßen selbst vor die Türe zu setzen.

Der Grund ist natürlich ein einfacher: Geld. Flocken Patte Kies Zaster Mäuse Knete. Das alte Heim gehörte natürlich zu einem gewissen Teil der Bank – und solange man einen Hauskredit abbezahlt ist es in unserem Fall eher schwer aber auf jeden Fall mindestens ungünstig (was die Konditionen anbelangt), einen zweiten Kredit in solcher Höhe aufzunehmen.

Wenn man sich nun aber bereits in einem bestimmten Stadium des Verkaufs befindet in dem nur noch Formalitäten abgewickelt werden (die halt eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen) dann ist das kein Problem mehr.

So haben wir z. B. einen eher langen Verkaufsabschlußzeitraum von 45 Tagen festgelegt – hätten wir nun binnen kurzer Zeit ein passendes neues Heim gefunden das bezugsfertig gewesen wäre, dann hätten wir den Verkäufer um einen schnelleren Verkaufsabschluß gebeten, z. B. 30 Tage. Dann hätten wir Zeit gehabt direkt vom alten in das neue Haus umzuziehen. Hätten, wäre, hätten, hätten. Hat ja aber nun nicht geklappt. 😛

An dem Punkt wo einem also die Zeit davonrennt und es eher unwahrscheinlich wird, dass man ein passendes neues Haus findet und den eigenen Auszugs- und Einzugstermin zu synchronisieren begibt man sich dann halt doch auf die Suche nach einer temporären Bleibe. Zur Miete.

In unserem näheren Umkreis sind die Mietwohnungen allesamt in eher große Anlagen organisiert die für deutsche Begriffe vermutlich eher einem Feriendorf ähneln. Ein oder mehrere Gemeinschaftspools gehören genauso dazu wie ein Fitnessraum mit Laufbändern, Cross-Trainern und diversen Maschinen zum Gewichte bewegen, ein Screening-Raum (Minikino) mit Projektor und einer Gemeinschaftsküche. Alles ist sehr, sehr organisiert.

Nur einen Mietvertrag muß man erstmal bekommen. Und dem stehen diverse Hürden im Weg. Zum einen wäre da die Mietdauer. Wir wollen nur für drei Monate mieten, und an solch kurzen Mietzeiträumen ist die vermietende Gesellschaft die die Anlage(n) betreibt natürlich nicht so doll interessiert. Die kurze Mietdauer schlägt sich dann auch in der Höhe der Miete nieder, ca. 20% mehr bezahlen wir gegenüber der nächstlängeren Standardmietperiode (11 Monate).

Dann ist da natürlich die Kreditwürdigkeit, die wie immer abgefragt wird. Fatalerweise wurden uns – wie das mit mehr oder weniger „schöner“ Regelmäßigkeit geschieht – eine Woche vorher mal wieder die Kreditkartendaten auf welche Weise auch immer geklaut (die Banken merken das sofort und verständigen einen und sperren die betroffene Karte). Mit der Folge, dass in unserer Kreditauskunft temporär ein „fraud alert“ (Betrugsalarm) vermerkt ist.

Das interessiert die Vermietergesellschaft natürlich herzlich wenig, und individuellen Verhandlungsspielraum gibt es nicht. Sie wollten meinen deutschen Reisepass sehen, und die Kaution stieg von $400 auf $2000. Toll, ne?

Zuguterletzt spielt auch das Einkommen eine Rolle – per Gesetz ist es nämlich Vorschrift, dass ab einer bestimmten Größe einer solchen Mietanlage ein bestimmter Anteil der Wohnungen Menschen mit niedrigerem Einkommen vorbehalten bleibt. Wir waren eher deutlich über dieser Einkommensgrenze und hatten Glück, dass eine Wohnung für drei Monate genau passend verfügbar war (mit einer Woche Puffer zwischen Einzugs- und Auszugstermin).

Tollerweise ist bei unserer Wohnung sogar eine Garage dabei. Das hat uns einiges an Kopfzerbrechen erspart weil wir diese natürlich jetzt auch als Lager verwenden. Das Haus hatte mehr als doppelt so viel Wohnfläche wie die Mietwohnung, und obwohl wir ja bereits im Vorfeld einiges an Möbeln verkauft bzw. entsorgt haben (das Schlafzimmerset etwa, und die sich langsam auflösende Couch) hatten wir natürlich viel zu viel Zeug für die Wohnung.

Mieten ist übrigens irgendwie ziemlich angenehm, weil man sich außer um den Umzug an sich und ein paar Möbel um nichts kümmern muß:

  • die Bude ist komplett frisch gestrichen und gereinigt (auf Wunsch kann man für $100 Aufpreis ein individuelles „Farbpaket“ ordern, dann wird die Wohnzimmerwand in einer Wunschfarbe gestrichen).
  • eine komplett eingerichtete Küche mit Geräten (Herd, Ofen, Mikrowelle, Kühlschrank, Spülmaschine) ist Bestandteil der Wohnung. Mit schicken Granit-Arbeitsflächen.
  • die Kleiderschränke sind integriert, das einzige was noch ins Schlafzimmer muß ist das Bett, die Nachttische, und eine Kommode
  • Klimaanlage mit Thermostat? Logisch.
  • Waschmachine und Trockner sind in einer kleinen Kammer hinter einer Metalltür auf dem Balkon. Und gehören natürlich ebenfalls zur Wohnung.

Ich denke an meine freudigen Erfahrungen mit der Ikea-Küche oder meinem betrügerischen Vermieter zurück der mich bei meiner Ausreise in die USA abgezockt hat und denke: wenn Mieten in Deutschland nur auch so angenehm wäre!

Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass alles sehr organisiert ist. Wenn z. B. eine Glühbirne durchgebrannt ist dann muß man die nicht selbst ersetzen, sondern meldet Servicebedarf via Internetportal an den Vermieter. Oder auch wenn der Küchenabfallschredder unter der Spüle vergammelt und einen dabei dumm angrinst:

Garbage Disposal

Im nächsten Teil wird’s ernst, da ziehen wir dann tatsächlich um. 🙂

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