Gedanken zu Häusern (Der Umzug, Teil 8)

Inzwischen ist ja einiges an Zeit ins Land gegangen… und haben wir ein Haus? Nein, haben wir nicht. Vermutlich habe ich irgendwo schon erwähnt, dass wir etwas wählerisch sind, und auch das Bild von dieser fantastischen Kochstelle habe ich schonmal verwendet. Es soll zum Anlaß dienen mal etwas über die Häuser die wir so besichtigt haben zu schreiben.

Man möchte ja eigentlich meinen, dass die Besitzer einer Immobilie die gemeinhin ein vielfaches von einem Kraftfahrzeug kostet ebenjener entsprechende Aufmerksamkeit und Pflege zukommen lassen. Aber komischerweise ist dem nicht so, warum auch immer.

Am schlimmsten – und vielleicht einfach nur, weil sie so ein zentraler Raum des Geschehens in einem Haus darstellt – ist oftmals die Küche. Auf uralte Unterschränke wird anläßlich des Verkaufs eine neue Granit-Arbeitsplatte gesemmelt während die Türen in den Scharnieren wackeln und die Küchengeräte so oll sind dass es einem gruselt. Dadurch erhoffen sich die Verkäufer dann irgendwie eine Steigerung des Wertes oder der Attraktivität, ich weiß es nicht. Es ist natürlich alles andere als das, denn zusätzlich zur neuen Küche die man ja dann eh braucht haut man vermutlich eine relativ gute Granitarbeitsplatte zum Teufel weil man das Ding in einem Stück nicht raus- oder zumindest von den Unterschränken runterbekommt.

Und dann natürlich die Bäder. Gute Güte, wenn man da zumindest hin und wieder (Ihr bemerkt: ich bin kein Putzteufel) mit Lappen, Badreiniger und Scheuerpulver rangehen würde, dann sähe selbst ein älterer Naßbereich gar nicht so schrecklich aus. Würde. Sähe. Ist natürlich nicht so.

Am schlimmsten sind jedoch die Häuser die irgendwie als „teilweise renoviert“ ausgeschrieben sind. Da kommt man rein und sieht Wohnzimmer und Küche und denkt „yay! das ist es doch!“ und dann sieht man die Schlafzimmer und Bäder und da ist dann wohl Geld und/oder Motivation zur Renovierung ausgegangen. Der ausgeschriebene Preis reflektiert das natürlich nicht.

Ein Haus war wirklich „weitestgehend schön“ – bis wir das Bad des „Elternschlafzimmers“ (im Englischen „Master Bedroom“ genannt) erreichten. Das war auf dem Stand von vor 30 Jahren. Wie kann das sein?

Man verlässt diese Objekte dann und schüttelt den Kopf über die illusorischen Preisvorstellungen der Verkäufern, und kann in den folgenden Wochen dann beobachten, wie der ausgeschriebene Preis häppchenweise sinkt. Man möchte bei der Vielzahl von Immobilienmaklern die es hier so gibt eigentlich erwarten, dass zumindest der eine oder andere zu seinen Verkaufsklienten sagt: „Hier, nehmt $5000 in die Hand, macht ein neues Bad rein, und das Haus wird sich für $10000 mehr verkaufen“ – ganz einfach weil man als Käufer dann kein Geschiß mit Renovierungen hat.

Aber nein, dafür reicht es nicht, und der Grund ist ein ganz einfacher: Geld. Der Makler bekommt idealerweise 3% Provision vom Verkaufspreis – oft wird da allerdings ein Nachlaß gewährt. Davon geht dann die Hälfte an seine Agentur in der er/sie organisiert ist, die andere Hälfte gehört ihm (oder ihr). Bei einem Unterschied im Verkaufspreis von $10000 ist der Unterschied für den Makler dann nur $150. Wohlgemerkt, im Idealfall. Will der Makler also 4-5 Wochen warten bis das Bad renoviert ist bevor er das Objekt listen kann, oder will er es möglichst zügig auf den Markt bringen? Natürlich letzteres. Und die Verkäufer sind damit eigentlich schlecht beraten, aber das wissen die wenigsten.

Vorletztes Wochenende haben wir wieder ein Haus angeschaut und ein Angebot abgegeben. Das Haus war nicht ideal – die Küche hätte erneuert werden müssen, und die Räume hätten einen neuen Anstrich benötigt, eh klar. Die Lage war klasse, ruhig, mit Ausblick auf die Hügel und Berge im Hinterland von San Diego, schöner „wassersparender“ Garten mit Terrasse und schattenspendendem Schleppdach.

Dem Verkäufer pressierts, weil er das Haus verkaufen muss um selbst sein neues Haus zu finanzieren – ein Haus, auf das er angeblich 1.5 Jahre gewartet hat. Unser Angebot wurde angenommen – freu! Wir hatten das Gefühl, dass wir mit entsprechender Hingabe dieses Häuschen wirklich „unseres“ machen könnten.

Vergangenen Freitag hatten wir dann wieder eine „Home Inspection“ mit einem Profi der das Haus auf Herz und Nieren überprüft. Vor Ort klang das alles noch ganz nett, als wir dann den schriftlichen Bericht vorliegen hatten (89 Seiten) waren da so entsetzlich viele kleine Mängel drin enthalten, dass das ein ganz schlechtes Bild auf den Besitzer warf.

Da sagte mein Bauchgefühl dann recht laut „NEIN“ denn irgendwie begann das Haus nach einem gewaltigen Groschengrab zu riechen. Im Bericht des Inspekteurs steht dann auch noch drin, dass sich die Dachpappschindeln wohl langsam auflösen, im Dachstuhl Anzeichen von Termitenbefall sind, und dass in der Isolierung Nagerkot rumliegt. Leider muß man dann ganz rationell werden und sagen: so toll kann die Lage und die Aussicht gar nicht sein, als das man bei dem ausgeschriebenen Preis dann das Risiko eingehen könnte, da binnen kurzer Zeit nochmal locker-flockig ein neues Dach zu brauchen.

Also haben wir heute wiedrum die Reißleine gezogen, und unsere Kaufofferte zurück. Jammerschade, und wieder $440 für eine Hausinspektion rausgehauen. Immerhin, die war dann eigentlich doch hilfreich, denn der Inspektionspreis ist halt doch um ein vielfaches niedriger als der eines neuen Daches… :-/

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